Samstag, 25. August (Tag 163)

Samstag, 25. August 2007 (Tag 163),
aufwachen morgens um sieben, insgesamt wenig Schlaf, wir befinden uns auf dem Flug nach New York. Das Frühstück wird gereicht, nach etwas Kaffee sieht die Welt schon halbwegs brauchbar aus. Über New York erst einmal Verbleiben in der Warteschleife, dichter Verkehr. Dann heißt es irgendwann, das Wetter ist insgesamt so schlecht, das wir erstmal gar nicht landen können, außerdem geht der Treibstoff bald dem Ende entgegen, wir fliegen erstmal nach Washington. Einige Reisende werden dabei etwas unruhig, sie wollen Anschlussflieger bekommen oder haben noch Termine an dem Tag. Wir nehmen das relativ gelassen, schließlich geht unser Weiterflug nach Hamburg erst abends um kurz nach elf von New York aus los und für einen kurzen Abstecher in die Innenstadt wird die Zeit am Nachmittag immer noch reichen.

Wir landen und dann steht die Maschine mit uns erstmal ein bisschen auf dem Rollfeld herum. Dann irgendwann wird die Maschine betankt – klar, hat ja auch lange Warteschleifen geflogen. Wir setzen dann einen Meter zurück – ahhh, geht’s etwa weiter? Nein. Wir fahren wieder einen Meter vor, die US Homeland Security habe beschlossen, wir müssten nun erstmal in die USA einreisen, bevor wir dann auf einem Inlandsflug weiter nach NY fliegen. Also sammeln wir unser Handgepäck ein und wandern in den Flughafen. Es erfolgt die für USA-Einreisen obligatorische Abfertigung mit Fingerabdrucknahme und Passstempel. Leider sind nur drei Schalter geöffnet für unser gesamtes Flugzeug voller Reisender, was in sofern verständlich ist, als dass wir ja auch für den Zeitpunkt dort an dem Ort gar nicht vorgesehen sind.

Es vergeht also eine gute Stunde, bis wir damit durch sind und in den Raum mit den Gepäckbändern gelangen. Dort allerdings wiederholt sich unser Problem mit dem „nicht eingeplant sein“, unser Gepäck kommt nicht. Und zwar eine ganze Weile nicht. So lange nicht, das wir insgesamt drei Stunden darauf warten. Naja, dann halt keinen Nachmittag in NY, aber den Nachtflug werden wir wohl noch bekommen.

Schließlich haben wir unser Gepäck und dann geht es durch den Flughafen, zum wieder einchecken. Es gibt ein Kompetenzgerangel zwischen verschiedenen Stellen am Flughafen, aber am Ende können wir einerseits unser Gepäck einfach so abgeben (ohne gesondertes Wiegen und Durchleuchten – der Kapitän übernimmt dafür die Verantwortung) und außerdem ohne ein auf Washington lautendes Flugticket wieder in den Sicherheitsbereich gehen.

Wir wollen kurz nach draußen, frische Luft schnappen, das lassen wir ganz schnell wieder, es ist unerträglich schwül und warm. Am Gate H sollen wir auf weitere Instruktionen warten. Wir kommen dort an und da dort noch niemand ist, kümmern wir uns nun erstmal um unser leibliches Wohl, Baguettes von Subways, dazu noch einen Kaffee und ’ne Cola (in der Schlage stehend treffe ich zufällig einen Magdeburger Kommilitonen aus dem fünften Semester, er ist auf dem Weg von Washington nach Belgien) und die Welt sieht wieder anders aus.

Und dann warten wir auf Durchsagen. Die kommen auch alle Stunde mal in der Form, das in einer Stunde neue Durchsagen kommen. Und die Zeit vergeht. Es ist bereits Nachmittags um vier und noch geht es nicht wirklich irgendwie weiter. Man kommt mit anderen gestrandeten Fluggästen ins Gespräch, „Mach Paris müssen Sie noch, der Flieger ist wohl dann schon weg.“

Es wird sechs Uhr abends, immer noch keine Neuigkeiten. Die Crew ist übrigens gar nicht mit bis in den Sicherheitsbereich gekommen sondern hat sich ins Hotel begeben, die Höchstarbeitszeit war erreicht. Und da die Airline den Flughafen sonst eigentlich nicht bedient gibt es auch keinen Schalter, an den man sich wenden kann. Unsere Informationen bekommen wir vom Flughafenmitarbeitern.

Zumindest gibt es jetzt ein für uns vom Flughafen auf Kulanz besorgtes Abendbrot. Wir können uns aus zwei Bars am Flughafen aussuchen und für 20 Dolar speisen. Dort angekommen wissen diese noch nichts von ihrem Glück, eigentlich kann man bei solchen Regelungen nur mit vollständigem Flugticket in den Genuss von Leistungen kommen, wir haben aber nur eine Boarding-Card, und die auch noch für einen Flug von Lima nach New York. Nach einem Gespräch mit dem Manager der einen Bar, er möge sich doch mit den Flughafenleuten in Kontakt setzen und nach weiteren fünf Minuten warten (die fallen bei dem ganzen Warten vom Tag gar nicht weiter ins Gewicht) kommt der Manager wieder, es gibt eine einvernehmliche Lösung und eine Kreditkartennummer über die alles abgerechnet wird.

Wir speisen sehr lecker in einer Mexikanischen Bar und sind um acht Uhr wieder an unserem Warteterminal. Leider passiert auch dann nichts und nach zwölf Stunden warten werden dann auch unsere lateinamerikanischen Mitreisen unruhig. Etwas temperamentvoll und lautstarkt fordern sie Weiterflug ein, der Flughafenmitarbeiter sieht sich genötigt, die Washingtoner Polizei hinzuziehen und die schicken einen Sprecher und einen Haufen Schränke. Die Masse beruhigt sich denn auch wieder und wir werden weiter Stundenweise vertröstet. Unser eigener Anschlussflug hängt auch nur noch an seidenem Faden, es ist bereits halb neun und wenn nun nicht bald das Boarding beginnt, dann könnten wir uns unserem Flug nach Hamburg abschminken.

Es wurde neun Uhr, es wurde zehn Uhr, es wurde elf Uhr. Dann schließlich und endlich, nach fünfzehn Stunden warten in Washington auf dem Flughafen geht es endlich wieder ins Flugzeug, übrigens genau das gleiche, mit dem wir schon angekommen sind. Um halb eins heben wir schließlich ab. Bis New York sind es eine Stunde Flug.

Hätten wir morgens schon gewusst, dass es vor Mitternacht nicht weitergeht, wir hätten uns noch Mittags um zwölf einen Überlandbus nach New York genommen. Der braucht zwar vier Stunden, aber immerhin hätten wir dann unseren Weiterflug nach Hamburg erreicht. Denn in der ganzen Zeit des Wartens gab es von der Fluggesellschaft nicht ein Wort der Entschuldigung, der Erklärung oder sonst etwas. Das kostenlose Abendbrotessen hat der Flughafen spendiert, weitere Begünstigungen gab es keine.

Wir schlafen tief und fest bereits kurz nach Abheben ein und erst sehr kurz vor der Landung wachen wir wieder auf. Wir nehmen unser Gepäck in Empfang (das kommt jetzt schneller als Vormittags) und dann gehen wir hoch in die Schalterhalle. Bei Air Emirates ist natürlich keiner mehr da, dafür bei LAN. Man hat uns bereits umgebucht auf den gleichen Flug am Folgetag, außerdem ein Hotelzimmer für die Nacht organisiert, alles auf Kosten der Airline. Immerhin hier klappt das Krisenmanagement.

Es ist Nachts um halb vier, ich rufe zu Hause an, um die Abholung aus Hamburg ebenfalls um einen ganzen Tag zu verschieben. Dann warten wir vor dem Terminal auf unser Taxi (auch das ist organisiert), es ist immernoch sehr warm und die Luft recht feucht. Nach vier Uhr schließlich kommen wir im Cortyard Hotel der Mariott-Gruppe an, wir beziehen ein Doppelzimmer (welches regulär ab 129 Dolar zu haben ist), Zähneputzen und stehend ins Bett fallen.

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3 Gedanken zu “Samstag, 25. August (Tag 163)

  1. Anonymous Freitag, 31. August 2007 / 14:32

    krass. ich sehe ihr hattet spass.

    aber gecancelte und umgebuchte fluege hatte ich in den usa auch ausreichend. aber ganz so lange wurde ich da nie haengen gelassen. fuer ne entschuldigung hats aber auch nie gereicht…

    :/

    christian

  2. Pingback: New York « Peter

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